Der Fischermann

Der Fischermann fischt Gegenstände/ Rettungsjacken…
Das Meer ist ein grosser Mund,
das Meer hat ein Zivilstandsamt und ein Friedhof.
Das Meer in der Nacht macht uns ganz klein,
es verwandelt uns in eine grosse Welle
und wir Fischer, wir folgen dem Mond.
Er flüstert uns zu:»Triff deine Wahl».
Das Meer bringt uns Geschichten,
der Wind bildet salzige Dampfwolken aus diesen Geschichten.
/der Fischer wechselt seine Stimme/
Alles herum ist still, alles ist langsam, zu langsam.
Ich werde alles möglich arbeiten in Italia oder in Europa,
in Deutschland, auch für ganz wenig Geld.
Ich werde überall arbeiten, mir egal wo.
Ich werde Flüchtling, illegal, sans papiers ,
ich werde verurteilt,
aber ich gebe nicht auf, ich bleibe in Europa.
Und jetzt hören wir dem warten zu
Ich habe mein ganzes Geld gegeben, um bis hier her zu kommen,
wer mich hierhergeführt hat, hatte Waffen und wenig Worte.
(Wechsel der stimme)
Europa ist wie ein Paradies, aber ich habe keine Ahnung wie ein Paradies aussieht.
Und wir, wir sind die Verlassenen und wir leben unruhig auf diesem Meer.

Und unsere Zungen sind trocken und salzig,
unsere Sprache ausgelöscht.
/der fischermann „fischt“ weiter“ und redet mit seiner Stimme/
Das Land sieht von hier auf dem Meer aus, wie ein Punkt, ein lügnerischer verschwindender Punkt.
Manchmal weine ich vor lauter Zweifel und fühle mich als Clandestino
und das Land ist wie eine Mutter die auf einen Anruf oder eine Karte ihrer Kinder wartet….
In der Zwischenzeit vergesse ich meine Träume,
die Möwen nehmen sie mit, jeden frischen Morgen.
Ich habe mir gesagt: ich verkaufe alles, das Boot wird mein Haus, das Meer meine Piazza.
Aber alle diese Leute,
die hierher kommen um zu sterben…
genau auf meiner Piazza 
sterben sie,
gerade vor meiner Türe.
Und so mache ich jeden Tag meine Türe auf
e vaffanculo Grenzen und Gesetze!
Und wenn jemand noch lebt –
das ist ein Fest !


Text : Davide Maniscalco
Photographer : Michael Waser, Audiovisual Producer

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