Ich werde endlich ein Künstler

Rashoo Monolog
Ich werde endlich ein Künstler.
Tagein, Nacht aus.
Abends gegen sieben Uhr werde ich Yoga trainieren, eine halbe Stunde meditieren und anschliessend ein Chinotto in meiner lieblings Bar trinken.
In Berlin
Im Auge des Sturmes.
Ich werde filmen,
schön ruhig den unsichtbaren, flüchtigen Moment des Alltags filmen.
Dokumentieren.
Viele glauben sie leben die Gegenwart.
Sie können das nicht.
Sie kennen das nicht.
Sie lügen!
Sie sind Tagesflüchtlinge.
Manchmal handeln sie wie Schlafwandler.
Ich sehe sie über Arbeitsgrenzen hinaus fliehen.
Individuen bewegen sich im Flucht-modus Richtung Büro, Richtung Arbeit, wo immer und was immer ist dieser Ort ist.
Dort lebt der absolut grosse Gott:
Die Arbeit, der lokale Gott der mit seiner Anziehungskraft Menschen schleppen kann.
Das System ist ein Kraftfeld, irgendwo hat das Kraftfeld Grenzen.
Und Menschen laufen in diese Grenzen hinein, verlassen ihren Schutzort, ihre Geborgenheit, manche… ihr Da-sein – sie sind bodenlos verloren.

Ich kenne das.
Ich bin eben Flüchtling.
Ich bin abgehauen.
Weg.
Geschleppt worden.
Und tagein tagaus, pausenlos auf der Flucht, über Grenzen hinaus gelaufen.
Und gewartet auf den Moment.
Den Moment, wo ich in der Gegenwart meines Da-seins leben kann.
Und dann habe ich es gewusst.
Ich werde Künstler.
Und Wärter der Gegenwart.
Ich werde die Bilder fangen von Momenten, wenn ein Mensch die Grenzen seiner Bestimmtheit verlässt und Flüchtlinge sich verlieren….
In eine Beziehung
In eine Sucht
In ein Traum
In eine Leidenschaft
Auf der Suche nach der Schönheit
Auf der Suche nach der Sprache der Liebe
Auf der Suche nach der Ruhe, grenzenlos,
in die weite bunte Welt.


Text : Davide Maniscalco

  • Beitrags-Kategorie:Texte
  • Lesedauer:2 min Lesezeit